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EU-Qualitäts- und Sicherheitsvorgaben bei Tinte und Toner

EU-Qualitäts- und Sicherheitsvorgaben bei Tinte und Toner

Für Tinte und Toner gilt in der EU vor allem das Chemikalienrecht: Die REACH-Verordnung regelt die enthaltenen Stoffe, die CLP-Verordnung ihre Einstufung und Gefahrenkennzeichnung. Patronen mit Chip zählen außerdem als Elektrogeräte, für sie gelten die RoHS-Richtlinie und das Elektrogesetz. Reichweite und Druckqualität regeln dagegen Normen und Prüfverfahren wie ISO/IEC 19752 oder DIN 33871.

Welche EU-Vorgaben gelten für Tinte und Toner?

Rechtlich ist eine gefüllte Druckerpatrone oder Tonerkartusche laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein Gemisch in einem Behälter: Für Tinte und Toner gelten die Regeln für chemische Gemische, für die Kartusche selbst die Regeln für Erzeugnisse. Hat die Patrone einen Chip, kommen die Vorgaben für Elektrogeräte hinzu. Vorgaben zur Reichweite oder Druckqualität enthalten diese Vorschriften nicht.

Vorschrift Was sie regelt Bedeutung für Patronen und Toner
REACH, Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe; Sicherheitsdatenblätter; Auskunft über besonders besorgniserregende Stoffe in Erzeugnissen Gilt für die Stoffe in Tinte und Toner und für das Material der Kartusche
CLP, Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen Als gefährlich eingestufte Tinte oder als gefährlich eingestufter Toner braucht ein Kennzeichnungsetikett
RoHS, Richtlinie 2011/65/EU Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten Gilt laut EU-Kommission auch für Druckerpatronen mit einem Bestandteil, der Strom braucht, etwa einem Chip
CE-Kennzeichnung, Verordnung (EG) Nr. 765/2008 Allgemeine Grundsätze für das CE-Zeichen Nur auf Produkten, für die eine EU-Vorschrift es vorschreibt, etwa auf Druckern nach der RoHS-Richtlinie
Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) Setzt in Deutschland die EU-Richtlinie 2012/19/EU über Elektro-Altgeräte um: Kennzeichnung, Rücknahme, getrennte Sammlung Leere Patronen mit Chip gehören in die getrennte Sammlung, nicht in den Hausmüll

REACH und CLP: Was gilt für Tinte und Toner?

Grafik mit der Nummer der REACH-Verordnung, EG Nr. 1907/2006, vor einer Wand aus Rechtsbegriffen

Die Stoffe in Tinte und Toner müssen laut BAuA unter den Bedingungen von REACH registriert sein. Wer Stoffe oder Gemische liefert, die als gefährlich eingestuft sind, muss seinen Abnehmern außerdem ein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung stellen (Artikel 31 REACH). Es nennt unter anderem mögliche Gefahren, Erste-Hilfe-Maßnahmen, die sichere Handhabung und Hinweise zur Entsorgung. Was im Sicherheitsdatenblatt einer Tinte steht, zeigt ein Beispiel im Beitrag Druckertinte: Zusammensetzung und Arten.

Ob eine Tinte oder ein Toner als gefährlich gilt, stufen Hersteller, Importeure und nachgeschaltete Anwender vor dem Inverkehrbringen nach der CLP-Verordnung ein. Ist ein Gemisch als gefährlich eingestuft und verpackt, trägt es ein Kennzeichnungsetikett, wo zutreffend mit Gefahrenpiktogramm, Signalwort sowie Gefahren- und Sicherheitshinweisen (Artikel 4 und 17 CLP).

Für die Kartusche selbst gilt eine Auskunftspflicht: Enthält ihr Material einen besonders besorgniserregenden Stoff von der sogenannten Kandidatenliste in einer Konzentration über 0,1 Massenprozent, muss der Lieferant Verbrauchern auf Anfrage die Informationen geben, die für eine sichere Verwendung ausreichen, mindestens aber den Namen des Stoffes. Das muss kostenlos und innerhalb von 45 Tagen geschehen (Artikel 33 REACH).

Was bedeutet das CE-Zeichen?

CE-Kennzeichen in schwarzer Schrift auf weißem Grund

Mit dem CE-Zeichen gibt der Hersteller an, dass er die Verantwortung dafür übernimmt, dass sein Produkt die einschlägigen EU-Vorschriften erfüllt. Anbringen darf es nur der Hersteller oder sein Bevollmächtigter, und zwar nur auf Produkten, für die eine EU-Vorschrift es vorschreibt (Artikel 30 der Verordnung (EG) Nr. 765/2008). Für Elektro- und Elektronikgeräte wie Drucker verlangt unter anderem die RoHS-Richtlinie eine EU-Konformitätserklärung und das CE-Zeichen. Über die Gefahren einer Tinte oder eines Toners sagt das CE-Zeichen nichts; sie zeigt die Kennzeichnung nach der CLP-Verordnung.

RoHS und Elektrogesetz: Was gilt für Patronen mit Chip?

Grafik mit dem Schriftzug Richtlinie und der Nummer 2011/65/EU der RoHS-Richtlinie vor einer Wand aus Rechtsbegriffen

Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU beschränkt bestimmte gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Blei, Quecksilber, sechswertiges Chrom, die Flammschutzmittel PBB und PBDE sowie seit dem 22. Juli 2019 vier Phthalate, also bestimmte Weichmacher, dürfen in jedem homogenen Werkstoff höchstens 0,1 Gewichtsprozent ausmachen, Cadmium höchstens 0,01 Gewichtsprozent. Verbrauchsmaterial wie Druckerpatronen fällt laut den Erläuterungen der EU-Kommission unter die Richtlinie, wenn es einen Bestandteil hat, der die Definition eines Elektrogeräts erfüllt, also zum Funktionieren Strom braucht – etwa einen Chip. Was ein solcher Chip leistet, erklärt der Beitrag Druckerpatronen mit Chip: Wozu der Chip da ist.

In Deutschland setzt das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) die EU-Richtlinie über Elektro-Altgeräte um. Elektrogeräte tragen das Symbol einer durchgestrichenen Abfalltonne auf Rädern; ist ein Gerät dafür zu klein, darf es ausnahmsweise auf der Verpackung stehen. Endnutzer müssen Altgeräte getrennt vom unsortierten Siedlungsabfall abgeben, also nicht über den Hausmüll (§§ 9 und 10 ElektroG). Das gilt auch für leere Patronen und Tonerkartuschen mit Chip. Wo Sie sie abgeben können, erklären die Ratgeber Druckerpatronen entsorgen und Tonerkartuschen entsorgen.

Vier Tintenpatronen in Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz, umgeben von einem grünen Recycling-Symbol

Welche Normen gibt es für Tinte und Toner?

Normen legen fest, wie Reichweite und Druckqualität geprüft werden oder welche Anforderungen aufbereitete und kompatible Patronen erfüllen sollen. Den Stand einer Norm zeigen DIN Media und der IEC-Webstore. Die wichtigsten im Überblick:

Norm Gilt für Inhalt Stand
ISO/IEC 19752 Tonerkartuschen für Schwarzweiß-Laserdrucker Messung der Reichweite; laut Norm keine Aussagen zu Qualität oder Zuverlässigkeit aktuell, Ausgabe 2025
ISO/IEC 19798 Tonerkartuschen für Farblaserdrucker Messung der Reichweite aktuell, Ausgabe 2025
ISO/IEC 24711 Tintenpatronen für Farb-Tintenstrahldrucker Messung der Reichweite aktuell, Ausgabe 2021
DIN 33871-1 Aufbereitete Tintendruckköpfe und Tintentanks Grundsätze für die Aufbereitung, Prüfung von Farbwiedergabe und Ergiebigkeit, Kennzeichnung auf Produkt und Verpackung aktuell, Ausgabe 2013-12
DIN 33871-2 Neue kompatible Tintenpatronen im Vierfarbsystem Anforderungen an Eigenschaften und Funktionen, Prüfungen der wesentlichen Anwendungseigenschaften aktuell, Ausgabe 2009-08
DIN 33870-1 und -2 Aufbereitete Tonerkartuschen für Schwarzweiß- bzw. Vierfarb-Druckgeräte Anforderungen an die Aufbereitung, Prüfungen von Druckqualität und Ergiebigkeit zurückgezogen, letzte Ausgabe 2020-08

Wie die Reichweitennormen messen und was die Seitenangaben bedeuten, erklärt der Beitrag Was bedeutet die 5-Prozent-Deckung beim Drucken? Was aufbereitete, kompatible und nachgefüllte Patronen unterscheidet, lesen Sie im Beitrag Kompatible Druckerpatronen.

Was regelte DIN 33870?

DIN 33870 war die deutsche Norm für die Aufbereitung gebrauchter Tonerkartuschen, Teil 1 für Schwarzweiß-, Teil 2 für Vierfarb-Druckgeräte. Laut DIN Media legte sie Anforderungen an die Aufbereitung sowie Prüfungen der Druckqualität und der Ergiebigkeit fest. Ziel waren eine gleichbleibende Druckqualität und eine störungsfreie Funktion über die gesamte Gebrauchsdauer. Nach Angaben des europäischen Verbands der Wiederaufbereiter ETIRA galten beide Teile nur für wiederaufbereitete, nicht für neu gebaute Kartuschen. Für Teil 1 nennt ETIRA außerdem Pflichtangaben wie den Firmennamen auf der Verpackung und die Reichweite sowie ein im Internet veröffentlichtes Prüfprotokoll und Angaben zum verwendeten Sammelsystem.

Beide Teile, zuletzt in der Ausgabe 2020-08, sind laut DIN Media zurückgezogen. Eine Angabe „nach DIN 33870“ bezieht sich also auf eine zurückgezogene Norm. Für Tintenpatronen sind DIN 33871-1 und DIN 33871-2 laut DIN Media aktuell.

Was bedeutet STMC?

STMC steht für Standardized Test Methods Committee, ein internationales Komitee, das seit den 1990er-Jahren standardisierte Prüfverfahren für Druckerkartuschen ermittelt und verbreitet. Die Zertifikate stellt das International Imaging Technology Council (Int’l ITC) aus. Die Prüfverfahren messen laut Int’l ITC drei Leistungsmerkmale von Tonerkartuschen: die Reichweite, die Bilddichte, also wie kräftig gedruckt wird, und den Hintergrund, also Toner auf eigentlich weißen Flächen. Dafür hat das STMC unter anderem Prüfverfahren von ASTM International und ISO übernommen.

STMC-zertifiziert sind Unternehmen, nicht einzelne Kartuschen. Laut Int’l ITC setzt das Zertifikat voraus, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens in den Prüfverfahren geschult sind und die nötige Prüfausrüstung vorhanden ist; das Unternehmen verpflichtet sich, die Verfahren regelmäßig anzuwenden. Das Zertifikat wird alle zwei Jahre erneuert. Die Prüfverfahren messen nur, sie legen keine Mindestwerte fest. Welche Unternehmen zertifiziert sind, zeigt eine Liste auf der Website des Int’l ITC.

Wie gefährlich ist Tonerstaub aus Laserdruckern?

Schwarze Pulverwolke als Sinnbild für Tonerstaub

Laserdrucker und Kopierer geben beim Drucken ein Gemisch aus flüchtigen Verbindungen, feinen Tröpfchen und Stäuben ab, auch Papierstaub. Tonerstaub macht daran laut BAuA nur einen sehr geringen Anteil aus. Nach Einschätzung der BAuA ergeben sich aus diesen Emissionen am Arbeitsplatz generell keine relevanten Risiken. Allergische Reaktionen bei Menschen, die bereits auf bestimmte Stoffe sensibilisiert sind, schließt sie im Einzelfall nicht aus. Räume mit Laserdruckern sollten ausreichend groß und gut belüftet sein.

Ob ein Feinstaubfilter sinnvoll ist, lesen Sie im Beitrag Feinstaubfilter für Drucker: Wann sind sie sinnvoll?. Wie Sie beim Umgang mit Toner Staub vermeiden, steht im Beitrag Refill-Patronen und Refill-Toner. Passende Kartuschen finden Sie in der Kategorie Toner.

Häufige Fragen

Was haben CE-Zeichen und RoHS miteinander zu tun?

Für Elektro- und Elektronikgeräte verlangt die RoHS-Richtlinie, dass der Hersteller die Einhaltung der Stoffbeschränkungen in einer EU-Konformitätserklärung bestätigt und das CE-Zeichen anbringt. Laut EU-Kommission ist das CE-Zeichen die einzige Kennzeichnung, die die Übereinstimmung mit der RoHS-Richtlinie bescheinigt.

Woran erkenne ich, ob eine Tinte gefährliche Stoffe enthält?

Ist eine Tinte nach der CLP-Verordnung als gefährlich eingestuft, trägt die Verpackung ein Kennzeichnungsetikett, wo zutreffend mit Gefahrenpiktogramm. Genaue Angaben stehen im Sicherheitsdatenblatt des Herstellers. Enthält das Material der Patrone einen besonders besorgniserregenden Stoff über 0,1 Massenprozent, muss der Lieferant Verbrauchern auf Anfrage innerhalb von 45 Tagen Auskunft geben.

Ist DIN 33870 noch gültig?

Nein. Laut DIN Media sind DIN 33870-1 und DIN 33870-2 für die Aufbereitung von Tonerkartuschen zurückgezogen; die letzte Ausgabe stammt von 2020-08. Für aufbereitete und für neue kompatible Tintenpatronen sind DIN 33871-1 und DIN 33871-2 aktuell.

Was bedeutet STMC-zertifiziert?

Ein STMC-Zertifikat erhält laut Int’l ITC ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter in standardisierten Prüfverfahren für Druckerkartuschen geschult sind, das die nötige Prüfausrüstung besitzt und sich verpflichtet, die Verfahren regelmäßig anzuwenden. Die Verfahren messen Reichweite, Bilddichte und Hintergrund, legen aber keine Mindestwerte fest.

Woran erkenne ich geprüfte Qualität bei Patronen und Toner?

Achten Sie auf eine Reichweitenangabe nach ISO/IEC 19752, 19798 oder 24711 und bei aufbereiteten oder neuen kompatiblen Tintenpatronen auf Angaben nach DIN 33871-1 oder DIN 33871-2. Bei Prüfzeichen lohnt der Blick, wer nach welcher Norm geprüft hat. Wie eine Patrone in Ihrem Drucker arbeitet, zeigt die erste Testseite.

Quellen